17.11.1989

Dass es im Dorf keinen Stress mit Nazis gibt und man sich deshalb (im Gegensatz zu anderen Orten) hier recht frei bewegen kann, keine bewaffneten Securities Flugblattaktionen flankieren müssen oder Politaktivisten grundätzlich das Bewohnen eines Erdgeschosses nicht ausschließen müssen liegt nicht zu letzt in der Zeit von Ende der 80`er / Anfang der 90`er begründet als die damals sehr offensiv auftretenden Nazis quasi aus der Stadt geprügelt wurden und daraufhin bis heute nicht mehr Fuß fassen konnten.
Im Anschluss an einer dieser Antinazi Aktionen kam, vor genau 18 Jahren die Antifaschistin Conny Wesmann ums Leben als sie von Polizisten auf Höhe des Idunazentrums in den fließenden Verkehr gehetzt wurde.

Der Abend des 17.November 1989

Wie viele andere Wochenenden des Jahres 1989 in Göttingen begann auch der Freitagabend des 17. Novembers: Vor dem damaligen Nazi-Treff „Burgschänke“ in der Burgstraßekam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Nazi-Skinheads und autonomen AntifaschistInnen, in deren Verlauf zwei der Nazis verletzt wurden. Beim Eintreffen der Polizei waren die AntifaschistInnen bereits verschwunden, und so eskortierte diese in damals üblicher Manier die Faschisten aus der Stadt. Im Anschluss begann sie eine Verfolgung von AntifaschistInnen in der Innenstadt. Ins Visier geriet dabei eine weitere Gruppe AntifaschistInnen, die aufgrund der Auseinandersetzungen in der Burgstraße alarmiert worden war. In dieser Gruppe war auch Conny.

»sollenwirsiejetztplattmachen?«
Die Gruppe entschloss sich aufgrund der Verfolgung durch Zivil- und Streifenwagen, zum Campus zu gehen, um sich dort aufzulösen. Die Einsatzleitung der Polizei hattte aber längst einen Angriff beschlossen. So fragte der Chef des Zivilen Streifenkommandos (ZSK) über Funk seine Kollegen: „Sollen wir sie jetzt plattmachen?“ Die Antworten lauteten: „Ich bin dabei.“ „Ist doch die Gelegenheit, wo wir alle mal auf einem Haufen sind.“ In der kleinen Stichstraße griffen daraufhin ZSK-Beamte und Uniformierte die Gruppe mit Knüppeln und Reizgas an, dabei jagten sie Conny in den fließenden Verkehr der vielbefahrenden Weender Landstraße. Conny wurde von einem Auto erfaßt und war sofort tot. Die Polizisten reagierten mit Sprüchen wie „ihr könnt Euch gleich dazulegen“.

Die Wochen danach
Noch in der gleichen Nacht wurde Conny’s Todesstelle besetzt und eine Mahnwache errichtet, bereits am nächsten Morgen demonstrierten 2000 Menschen durch die Göttinger Innenstadt, im ganzen Bundesgebiet gab es zahlreiche Solidaritätsaktionen. Der politische Mord an Conny lösten in einem breiten Spektrum Diskussionen und Initiativen aus. Im Mittelpunkt der Kritik stand dabei die Polizei, deren Angriffe auf AntifaschistInnen und der gewährte Schutz für Faschisten daraufhin Thema in einer breiteren Öffentlichkeit wurden. Die Stadt war voll von Transparenten, Sprühereien und Plakaten. Höhepunkt der Aktionen war eine bundesweite Demonstration mit 18000 Menschen am darauffolgenden Samstag, den 25. November 1989, an der sich auch zahlreiche Göttinger BürgerInnen beteiligen. Im Verlauf der Demonstration kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei, als diese sich verlaufen hatte…

Quelle (Der Rest des Flugblattes ist übrigens furchtbar!)


3 Antworten auf “17.11.1989”


  1. 1 ergänzungs^ 17. November 2007 um 21:26 Uhr
  2. 2 ergänzungs^ 17. November 2007 um 21:28 Uhr
  1. 1 girlsetsfire Trackback am 18. November 2007 um 17:34 Uhr
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