„Monty und andere Schädel“

Der G8-Gipfel ist vorbei, die Revolution hat nicht stattgefunden. Aber sonst war alles dabei, ein „Aktionstag Landwirtschaft“, eines der größten Polizeiaufgebote in der Geschichte der BRD, „massenhafter ziviler Ungehorsam“ (Interventionistische Linke), eine große linke Großdemonstration, zahllose Verhaftungen, ein ordentlicher Krawall, die Funktionäre der Bewegung der Funktionäre, Distanzierungen und Solidarisierungen, eine „neue Qualität der Gewalt“ (GdP), ein echter Düsenfliegertiefflug, gutes Wetter, schlechtes Klima, ein „rave against the machine“, Wodkaredbull, und, und, und – und das „…ums Ganze“- Bündnis.

Auch wenn es nicht ganz meine Position zu dem AntiG8-Krempel trifft, es gibt Nachbereitungspapiere die machen Spass zu lesen.

Achtung: Am Ende dieses Textes steht keine Parole.


21 Antworten auf “„Monty und andere Schädel“”


  1. 1 girlsetsfire 27. November 2007 um 14:17 Uhr

    aus dem verlinkten resumee:

    Veränderungen und sogar kurzfristige Verbesserungen lassen sich in Teilbereichen durchaus innerhalb des Kapitalismus erkämpfen.

    ist das auf einmal ein plädoyer dafür, zum beispiel sprache zu verwenden, die geschlechterstereotype bzw. gechlechtsspezifische diskriminierung anzeigt? schön wärs ja.
    ich meine, mich an kritik erinnern zu können, die eben solche praxis als kurzsichtig o.ä. beschrieb, weil ihr die perspektive „aufs ganze“ fehle. auf einmal reift mit adorno die einsicht,

    „dass noch die armseligsten Eingriffe in die bestehende Realität eine viel größere, ja symbolische Bedeutung haben, als ihnen eigentlich zu kommt“

    . mich freuts. selbst wenn es den kommunismus nicht ersetzen kann und soll.

  2. 2 MPunkt 27. November 2007 um 15:28 Uhr

    Schlimmer geht’s immer, aber da kommt ja kein Argument für den Text bei raus. Die Auswertung selbst ist jedenfalls ein Musterbeispiel für das linke Bekenntniswesen, mit seinen Nullaussagen wie der folgenden:

    Kapitalistische Gesellschaft, das ist keine ahistorische, übernatürliche „Struktur“, sondern ein dynamischer und widersprüchlicher Funktionszusammenhang zwischen den Menschen. So sehr sich das gesellschaftliche Falsche nur als Ganzes abschaffen lässt, so sehr wird diese Totalität immer wieder erst durch spezifische Mechanismen und institutionelle Strategien in sozialer Praxis hergestellt. Ob sich die Kritik der Gesellschaft eher aus der subjektiven Erfahrung gesellschaftlicher Widersprüche oder der objektiven und rationalen Einsicht in die Verhältnisse speist, ist nicht abschließend geklärt.

    Fein brav alle Vokabeln postantifaschistischer Kapitalismuskritik aufgesagt und sich so als deren Vertreter positioniert. Dass man dadurch rein gar nix darüber aussagt, wie denn der kapitalistische „Funktionszusammenhang“ funktioniert und was für Folgen das für wen hat, ist dabei schlicht überhaupt nicht wichtig. Mein Lieblingssatz der Auswertung ist diesbezüglich aber dann doch folgender:

    Kriterium emanzipatorischer Bestrebungen bleibt die fortschrittliche und grundsätzliche Veränderung der Gesellschaft.

    Warum nicht gleich:

    Kriterium für toll bleibt, dass es supi und spitze sein muss [was wir im Gegensatz zu den anderen erfüllen]

    Naja, vielleicht für’s nächste Transpi …

  3. 3 keta minelli 27. November 2007 um 17:02 Uhr

    „kriterium für „toll“ ist, dass mpunkt.blogsport.de was zum kritisieren hat (und danach weiter an sich rumspielen kann).“

    wird donnerstag gemalt.

  4. 4 Administrator 27. November 2007 um 19:04 Uhr

    Dass man dadurch rein gar nix darüber aussagt, wie denn der kapitalistische “Funktionszusammenhang” funktioniert und was für Folgen das für wen hat, ist dabei schlicht überhaupt nicht wichtig

    Das scheint auch nicht das Ziel des Textes zu sein, haben sie aber an anderer Stelle probiert.

    @ keta minelli
    Cool, könnte aber auch auf Freitagabend verschoben werden, dann aber bitte mit „“kriterium für “toll” ist, dass dorfdisco.blogsport.de was zum „Walter“ hat (und danach weiter an sich rumspielen kann).”

  5. 5 girlsetsfire 27. November 2007 um 20:05 Uhr

    liebe_r keta minelli,

    masturbation zu verunglimpfen ist leider auch eine sehr gängige form regressiver und repressiver sexualmoral. selbst arte ist da schon weiter. witze über „an sich rumspielen“ sind aber nicht nur deshalb daneben. sexuelle vorlieben sollten nicht teil irgendwelcher identitärer ab- und ausgrenzungensspielchen sein und schon gar nicht zur demütigung oder diskreditierung anderer dienen. dein beitrag hat jedenfalls eher „ich ficke deine mutter“-niveau.

  6. 6 Besserscheitern 27. November 2007 um 20:55 Uhr

    Oha! Ausgerechnet der Keta repressive Sexualmoral vorzuwerfen, finde ich gewagt. Niemand betreibt im Planet.Blogsport so sympathisch Exhibitionimus mit den eigenen sexuellen Vorlieben und den aktuell präferierten Drogen. :-?

  7. 7 MPunkt 27. November 2007 um 21:05 Uhr

    kriterium für “toll” ist, dass mpunkt.blogsport.de was zum kritisieren hat (und danach weiter an sich rumspielen kann).

    Ach weißt Du, es wäre mir sehr recht, wenn ich keine Fehler mehr finden würde. Sei es z.B. der, mit linken Moraltiteln um sich zu werfen („emanzipatorisch“, „fortschrittlich“, „grundsätzlich“), statt etwas zur Sache zu sagen, sei es, anderes Beispiel, der gegen die Person, statt gegen die von ihr vorgebrachten Inhalte zu schießen, um diesen Gegenstandswechsel auch noch als inhaltlichen Einwand auszugeben.

  8. 8 girlsetsfire 27. November 2007 um 23:22 Uhr

    @ besserscheitern

    der genaue inhalt des vorwurfs ist deshalb auch, daß aus ketas comment eine solche spricht, bzw. daran erinnert.

  9. 9 double f 28. November 2007 um 0:21 Uhr

    „grundsätzlich“ und „fortschrittlich“ sollen „Moraltitel“ sein? =))
    Am Fortschrittsbegriff gibt es einiges zu kritisieren, aber dass er moralisch sei gehört sicherlich zu den unwichtigeren Aspekten, wenn das überhaupt eine Rolle spielt.
    Das Adjektiv „emanzipatorisch“ ist tatsächlich voll moralisch und wurde von der größten Moralwachtel (dem hier http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Marx) überhaupt in den Raum geworfen um gute Kritik am Kapitalismus und dem bürgerlichen Staat zu zersetzen.
    Ich habe viel eher den Eindruck, dass der Vorwurf, etwas sei moralisch, bei dir einfach nur ein Synonym für „finde ich voll doof“ ist. Eine adäquate Kritik ist so jedenfalls nicht zu leisten.

  10. 10 keta minelli 28. November 2007 um 0:24 Uhr

    liebe_s girlsetfire: aus „an sich rumspielen“ herauszulesen, ich würde mit dem verweis auf lustvolles entdecken und bespaßen seiner_ihrer selbst eine person diskreditieren wollen, ist absurd, bin ich doch der meinung, die welt würde viel besser sein, wenn die menschen nur genug und ausreichend an sich herumspielten, gerne auch in der gruppe, von mir aus auch mehrmals am tag. mütter jedenfalls ficke ich nicht. wobei irgendjemand das schon tun muss, sonst gäbe es ja keine mütter mehr.

  11. 11 difficultiseasy 28. November 2007 um 0:43 Uhr

    keta, ich kenn mich da zufällig aus und du, entnehme ich deinem kommentar, nicht. also lass dir gesagt sein: mutter wird man erst NACH dem ficken.

  12. 12 Administrator 28. November 2007 um 14:53 Uhr

    …ich vermute es schon eine ganze Weile, allmählich bin ich mir aber sehr sicher:
    Difficultiseasy hat Abitur!

  13. 13 keta minelli 28. November 2007 um 14:55 Uhr

    liebe_r/s difficultiseasy, ohne jetzt hier klugscheissern zu wollen: das, was du da in deinem kommentar schreibst, stimmt so nicht. ick sach nur mal jesus.

  14. 14 difficultiseasy 28. November 2007 um 15:12 Uhr

    aber die mutter von jesus wurd doch vom heiligen geist oder so…? und auch als sie dann „mutter“ war, da hat sie doch niemand…oder etwa joseph? in einem unbeobachteten moment…

  15. 15 stalin 28. November 2007 um 22:10 Uhr

    die frage mit der mutterschaft lasse ich mal beiseite, ohnehin ist das ja ein historisch zu begreifendens phaenomen, ne? kinder gibts inzwischen ja sogar ohne vorher hetensex. is aber nicht der punkt der punkt ist, dass mpunkt recht hat, wenn er feststellt, dass der satz nichts aussagt. nicht weil er „moralisch“ ist, sondern weil die verwendeten begriffe rollkuehn der welt der gegenstaende entrissen werden und mit allerlei schlag und schaum (der text waere voellig ohne den begriff totalitaet ausgekommen, z.b.) ihren eigenen tanz tanzen, wenn man so will. und weil es dann gut ist, selber ein wenig zurueckzuschaeumen, koennte man den marx zitieren, der dem proudhon ebenjenes vorwirft:
    „An Stelle des gewöhnlichen Individuums und seiner gewöhnlichen Art zu reden und zu denken, haben wir lediglich diese gewöhnliche Art an sich, ohne das Individuum.“ der moralismus in diesem vorgehen ist implizit. die begriffe, die im bezug auf die welt noch nicht unbedingt moralisch waren, werden moralisch gewendet. abgeschnitten von der welt werden sie ewige kategorien. und als solche: ideologie. und: langweilig und unbrauchbar.

  16. 16 Administrator 29. November 2007 um 1:41 Uhr

    @stalin
    Häääääääääää? Um was geht`s?

  17. 17 stalin 29. November 2007 um 3:46 Uhr

    darum dass mpunkt unrecht hat, wenn er die begriffe moralisch nennt, weil sie in dem text einfach leer sind. emanzipatorisch ist nicht moralisch aber wozu das wort in dem text da ist, ist voellig unklar. insofern hat mpunkt aber recht, wenn er sagt, da koennte genausogut supi stehen.
    besser ist aber fast noch die stelle mit dem „die leute abholen wo sie stehen“ eine phrase wird nicht besser wenn man sie negiert- man kann leute nur da abholen wo sie stehen, die frage ist bei wem man das will und warum. mit meinem grossen namensvetter moechte ich in diesem punkt sagen: eigentlcih moechte ich alle abholen. die einen zum mitnehmen, die anderen zum wegbringen. nach sibirien.

  18. 18 stalin 29. November 2007 um 3:47 Uhr

    entschuldige meine schwurbeligkeit. schleichender verlust der muttersprache und zuviel kaffee.

  19. 19 Administrator 30. November 2007 um 11:58 Uhr

    @ stalin
    Da steht ja nicht einfach nur „emanzipatorisch“, sondern ist als Gradmesser fürs „Leute abholen“ (muss man halt machen wenn, man sich wie umsganze für Bewegungspolitik entschieden hat) zu sehen, was gerade bei dem G8-one-Family und „Choreographie des Widerstandes“-Blödsinn entscheidend ist um nicht wie z.B. die IL-Dumpfbacken total realitätsfern zu werden und sicht letztendlich zum Mittel für den falschen Zweck zu machen. Deshalb wäre es absurd „emanzipatorische“ an dieser Stelle mit „supi“ auszutauschen.

    PS. der Verlust der Muttersprache ist mir auch bekannt, allerdingds nicht von Auslandsaufenthalten.

  20. 20 double f 30. November 2007 um 23:57 Uhr

    @ Stalin Stimmt, dass dieser Satz alleine gesehen keinen Sinn macht. Aber er steht ja auch nicht alleine. In Verbindung mit der vorherigen Publikation macht der durchaus Sinn. Genauso geht es auch nicht um eine Phrase, sondern um eine reale politische Praxis geht, die kritisiert wird.
    Es ist aber schön, wenn Leute sich anstatt über einen Text lieber über einen relativ unwichtigen Satzaufzuregen und darüber spekulieren, ob jetzt „Totalität“ im Text vorkommen muss oder nicht. Da ist ja sogar die „Diskussion“ auf Indymedia näher am Inhalt.

  21. 21 double f 01. Dezember 2007 um 12:42 Uhr

    Der zweite Satz bezieht sich auf die Sache mit dem „Leute abholen“.

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