Demnächst wird mal wieder eine Sau durchs Dorf getrieben. Hintergrund: Eine Veranstaltung die sich kritisch mit dem sog. Definitionsrecht bzw. Sanktionsrecht in der radikalen Linken beschäftigt soll durchgeführt werden. Nachdem die Szene den erste kollektiven Schock darüber überwunden hat geht es langsam aber sicher in die Planung wie denn diese Veranstaltung am Besten zu torpedieren sei. Denn so viel ist klar, heilige Kühe werden nicht geschlachtet und das heißt das Definitionrecht hat man nicht zu kritisieren sonst könnte da ja noch ein Täter(tätertätertäter)schutz bei rauskommen. Das genau diese Taburisierung und nicht-Auseinandersetzung regelmäßig dazu führt, dass bei einer solchen Vorgehensweise so ziemlich alle fortschrittlichen Vorstellungen von der Veränderbarkeit des Menschen und der Gesellschaft über Bord fliegen wird nicht einfach nur hingenommen sondern als emanzipatorisch propagiert.
Als Kommunist kann es also nicht schaden das Definitionsrecht auch mal kritisch zu betrachten. Ob gerade die schon erwähnte Veranstaltung einen guten Beitrag dazu leistet mag ich an dieser Stelle einmal bezweifeln da Referent Quadfasel eher für seine Polemik und Liebe zum bürgerlichen Staat bekannt ist als für objektive Kritik.
Lieber verweise ich auf den Text (bzw. Stellungname) „neue Sachlichkeit“ der antifaschistischen Aktion Berlin aus dem Jahr 1999.
Der Text ist deshalb lesenswert da er sowohl Handlungsmöglichkeiten als auch Grenzen konkret benennt und in einen gesellschaftlichen Kontext einbettet der nicht an der Türinneseite eines AZ aufhört. Dies gilt vor allem für die Überlegungen zum Thema „Täterschutz“ mit dessen Vorwurf sich die Gruppe damals konfrontiert sah.
Warum genau heißt es eigentlich, „eine Sau durchs Dorf treiben“? Und hat bei euch auch immer der oder die gewonnen, der oder die als erste_r „TäterInnenschützerIn“ schreit?
wo ist denn lars quadfasel für seine „Liebe zum bürgerlichen Staat bekannt“ und was macht einen objektiven kritiker aus? ich würde ja behaupten, dass es objektive kritik logisch nicht geben kann, aber das nur am rande.
Ich hab nicht schlecht Lust die Sau mit zu jagen.
@ keta: schau mal hier
SAUblöd halt, wenn die betroffene person (opfer) weiterhin gerne in allen linken und sozialen zusammenhängen wäre.
sau und dorf: das kommt daher, dass dasrüher ein beliebter sport hierzulande war… so wie mit den stieren in spanien… light version quasi…
nurnoch 7 tage… das wird bestimmt amüsant. das apex bietet ja auch eine sehr schöne empore um das ganze spektakel und eventuelle bewegungen gut beobachten zu können… nebenbei gibts nen gutes getränkeangebot.
wow, sogar 2 skandalträchtige veranstaltungen in ein paar tagen.
wobei diese die a:ka veranstaltung bei weitem übertreffen wird:
http://www.inventati.org/ali/index.php?option=com_content&view=article&id=1204:ladenschluss
wieder wat los im dorf!
Das Dorf schlägt zurück!
Aber Magdeburg geht jetzt wirklich zu weit!
pflichtpost…
„zusammen kämpfen“ bekämpfen! antisemiten aufs maul! (oder so)
ach ja, dann noch das hier:
http://asbb.blogsport.de/2008/07/21/hot-topic/
Aber warum nur „die Sau“ und nicht „das Schwein“?
warum nicht „der eber“?
Weil das so gewachsen ist, weißte
Außerdem sind Schweine ja die, die keine Menschen sind. Also Kapitalisten und so. Und die kann man ja höchstens durch Finanzzentren jagen, Wall Street und sowas.
Und in der vorindustriellen Welt, in der die Menschen ohne automatische Waffen auf die Jagd gehen mussten war so eine Eberjagd durchaus eine gefährliche.Da jagte man halt lieber Säue.
http://b17.lnxnt.org/index.php?option=com_content&view=article&id=57
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Nie wieder ALI, hihi.
Keta ich glaube da ticken sie fast überall gleich. wenn ein sexismusvorwurf egal welcher art ins haus steht versuchen doch alle so schnell wie möglich ihre schäfchen ins trockene zu bringen. sehr laut und sehr schnell „täterschutz“ rufen ist da ja nur eine von vielen möglichkeiten sich aus der schußlinie zu bringen.
@ lahmacun aka Laura
davon abgesehen, dass es schwer fallen dürfte sich in allen linken zusammenhängen gleichzeitig aufzuhalten…. was ist denn die alternative? sich den zugang zu der täterperson zu verbauen und damit jede interventionsmöglichkeit zu verlieren? das finde ich eher grob fahrlässig.
und tekknoatze… wenn du einen schlafplatz brauchst weil du flugblätter oder so etwas bei der ali-veranstaltung verteilen willst, sag einfach bescheid. ich stelle dir dann auch noch etwas schmerzlinderndes ans bett und wiege dich in den schlaf.
Oh Gott, das ist ja schon jetzt, quasi. Ich shreib dir ma ne Mail ggf
♥Tekknoatze
wenn das opfer den täter nicht sehen will und man das respektiert (wie sie schreiben), gibt’s 2 möglichkeiten: entweder das opfer muss sich immer erkundigen, wo der täter rumhirscht, oder der täter muss das.
wenn man es erst meint mitm wunsch des opfers, wird man sich für nr. 2 entscheiden. weil sonst das ergebnis nur ist, dass das opfer sich zurückzieht. und das kann’s wohl nicht sein.
denn da geht’s doch zuallererst um so banale sachen, wie dass das opfer nicht – unverhofft kommt oft – plötzlich auf ner veranstaltung dem täter gegenüberstehen will.
oder heißt’s dann, das opfer soll nicht so empfindlich sein? eben.
@lahmacun aka Laura hab ich heute abend schonmal gesagt aber es wär ganz cool wenn auch du betroffene sagen kannst. ein opfer ist was ganz anderes.
betroffene und betroffener, oder wie?
oder darf man „täter“ schon noch sagen?
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ist die betroffene denn mittäterin? oder bist du der meinung, sprache würde was an der situation ändern?
lahmacun, sanktionen können, je nach fall natürlich auch beinhalten, dass dem täter (sind ja wirklich so gut wie nur männer) der zugang zu bestimmten orten verwehrt bleiben.
„oder bist du der meinung, sprache würde was an der situation ändern? “
Yeah, erste Agitationserfolge!
bestimmte orte. darf sich die „betroffene“ drei aussuchen, die sie am liebsten hat?
Maximal 3. Alles andere wird ja total unübersichtlich. Außer in Göttingen vielleicht.
@mpunkt: freu dich nicht zu früh. denn der meiste sprachkrampf ist auch inhaltlicher müll. nicht wahr?
aber ich hätte eben gerne ne begründung dafür, dass ich nicht mehr opfer sagen soll. weil die betroffene sonst in so ne passive hilflose rolle gedrängt wird? – ja weißte, wenn lauter sexistische arschlöcher rumhirschen, die meinen nicht mehr differenzieren zu müssen zw betroffener und betroffenen – und im „besten fall“ auch noch das geschlecht verschleiern und so tun, als wäre es genauso wahrscheinlich als mann opfer (!) eines übergriffes zu werden –, dann kann man sich schon mal in ner beschissenen situation wiederfinden und hilflos fühlen. anstatt blöd rumlabern, schlägt man dann am besten ein paar sexistennasen ein – das soll sich gut (befreiend) anfühlen!
für den opferbegriff spricht: das opfer tut nichts dazu zum übergriff. das meinte ich mitm verweis auf die mittäterinnenschaft.
es ist eh wie mit den rassist/innen auch – die lässt man nach nem übergriff auch nicht mehr gemütlich rumhängen in „linken zusammenhängen“. eben.
Ich habe doch gar nix dagegen, dass Du „Opfer“ verwendest. Ich finde es nur eine bemerkenswerte Erkenntnis von Dir, dass eine Änderung der Sprache nix an der Situation ändert, man sich diesen p.c.-Mist also auch gut und gerne sparen kann. Und gerade weil der nix an der Situation ändert, beschönigt er diese damit am ehesten sogar noch. Das hast Du in dem Fall ja sehr treffend nachgewiesen.
(Aber okay, ist hier off topic … sorry.)
oh, nur der erste absatz geht an mpunkt, der rest an die person, die meinte, gestern abend (hä?) schon mal was zum opfer-begriff gesagt zu haben.
(mpunkt, ich dachte eigentlich, „wir“ wären da schon längst durch. ich habe nie behauptet, dass sprache was-auch-immer „erschaffe“.)
Okay, dann ist ja gut.
sorry, dass ich nicht den ganzen tag vorm rechner rumhänge und deswegen erst jetzt antworten kann. (ich hoffe ich bekomme das auch noch einigermaßen hin) also ich würde mal sagen, dass das konzept der definitionsmacht dahingehend gerichtet ist einer person, die opfer eines übergriffes war und der somit die individuelle handlungsfreiheit genommen wurde dahingehend zu helfen diese wiederzuerlangen. (hm geht doch) wenn ich jetzt aber von einem opfer spreche dann erkenne ich eben diese handlungsmöglichkeit der betroffenen nicht zu. sie wird eben als passiv hilflos und erduldend verstanden.
zu performativen sprechakten sag ich jetzt mal nicht weil das ja quatsch ist. hab da auch kein beispiel für (ihr seid jetzt mann und frau, oh wenn sprache da nicht realität schafft dann weis ich auch nicht!)
also von der betroffenen red ich (geh jetzt auch mal davon aus, dass in der mehrzahl frauen sexuelle übergriffe erfahren) und von dem (wie schon erwähnt) täter da muss ich gar nix ändern.
so und jetzt hab ich keinen bock mehr auf blogs und hör KIZ.
alter mach die moderationsschleife aus. da schreibt man mal was und dann so ein kack
BITTE?
bitte kommentar freischalten.
ergänzung zum kommentar: die person wurde zum opfer gemacht (schreibst du selber, flubber) – aber benennen sollte man das nicht. als wäre das benennen der fakten das problem!
hm? ist das jetzt pro oder con? liegt’s am du-bist-ne-frau-sagen, wenn ich menstruiere, oder nicht? (es braucht keine butler für ne radikale hinterfragung der geschlechterrollen u.ä.)
ne es geht doch nicht um benennen von fakten sondern um eine zuschreibung durch worte. wie mach ich das besipiel? keine ahnung… also wenn ich jemand als opfer bezeichnet dann ist das ne person die sich nicht wehren kann. ne betroffene hat nen übergriff erfahren und wenn man ihre handlungsfähigkeit stärken will dann geht es doch zuerst darum das gefühl des opfer seins aufzubrechen. geht allerdings nicht wenn man sie auch weiterhin als opfer bezeichnet.
macht sinn?
Oh je, als ob man über Sprache die Handlungsfähigkeit festmachen könne. Die ist entweder da oder nicht aber die kann man nicht durch die Veränderung von Sprache erzeugen.
Ich halte es bei dem Thema Sprachkritik ja mit dem ollen Decker:
aus einem Vortrag der sich mit Feminismus auseinandersetzt
wenn jemand zum opfer gemacht wurde (das hast du, haha, ja selber geschrieben zuerst), ich das aber dann nicht benenne – dann ist das auch ne verschleierung! die person ist nicht einfach von irgendwas betroffen.
ansonsten zustimmung richtung disco (und decker).
Wenn es aber eben nicht nur darum geht über einen Vorfall zu reden/schreiben, sondern mit Bezug auf diesen die eigene Handlung verändert werden soll, dann kann man schon seine Handlungen danach ausrichten, ob man die Betroffene/das Opfer (wie ihr wollt) unterstützen will oder ob mit Verweis auf die Tat Szene-Politik (welcher Art auch immer, das heißt eine Politik, die nicht so sehr die betroffene Person fokussiert sondern sich anlässlich des Übergriffs mit einem Anliegen an die Szene wendet) gemacht werden soll.
Sollte das mit der wiederhergestellten Handlungsfähigkeit funktionieren, so könnte es plausibel sein, dass ein betroffener Mensch nicht immer und immer wieder nur über den Übergriff betrachtet werden will (=> Rückkehr in einen Alltag in dem der Leidensdruck des Erlittenen nicht ständig präsent ist).
Die Auseinandersetzung mit der Sprachkritik ist sicher interessant, scheint mir aber neben dem Thema zu liegen.
Appropos „Sprachkritik“. Wen diese gegenderte Rumgetexte auch beim lesen stört, kann sich im Firefox ein nettes kleines plugin installieren. Das filtert zuverlässig alle gängigen Varianten der –“Innen“ oder „-_innen“ Endungen.
https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/6822
@besserscheitern:
Ich will eigentlich keine Lanze für den Begriff „Opfer“ brechen da, wie ich schon geschrieben habe, sich das Verhältnis von Betroffene/Opfer zu ihrer Handlungsfähigkeit nicht über die Wortwahl herstellen lässt. Und dass jemand nicht über die Erfahrung eines erlittenen sexualiserten Übergriffs definiert wird liegt doch an der Haltung der/des Szene/Umfelds alles andere wäre Wortklauberei.
Der Begriff „Betroffene“ hat für mich, da gebe ich übrigens Laura recht (darf man „recht“ eigentlich sagen?) allerdings auch nen komischen Beigeschmack… „betroffen“ verwendet man ja eigentlich eher für harmlosere Dinge wie Steuererhöhungen, Arbeitsplatzgefährdung oder Hämoriden.
Also den „Neue Sachlichkeit“-Text („neu“, weil das Veröffentlichen des Textes über ein Jahr gedauert hat?) habe ich als hochnotpeinlichen Absturz in Erinnerung und jetzt empfiehlst du den, geschätzter Dorfi? Leider habe ich gerade keine Zeit, da nochmal drüber zu gucken, aber der bestand doch neben der Demontage von Definitionsrecht etc hauptsächlich in der mehrmals wiederholten Aussage, dass „wir nichts damit zu tun haben“, „wirklich nicht“, „echt nicht“, „ich schwöre“ (auf meine Mutter), oder irre ich mich da?
Bei manchen Texten lohnt es sich sie mit etwas Distanz noch einmal zu lesen. „Neue Sachlichkeit“ scheint einer dieser Texte zu sein.