Archiv für Dezember 2008

Lenin kam auch bis Süddeutschland

Vor kurzem wurde mir von diesem Buch berichtet. Und irgendwie klang das alles sehr vertraut. Ich bin nämlich auch in so eine Welt voller Zärtlichkeit der Völker und dem Kampf gegen die Ausbeuter hineingebohren worden. So klangen z.B. meine Kinderlieder und von der DDR hat sich auch bei mir bis heute das Bild glücklicher Menschen in paradiesischer Zustände fest gebrannt. Ich spielte mit meinen Freunden Che Guevara, schwörte beim Fußballspielen das eigene Team mit „der Kampf geht weiter!“ Parolen ein und Familienausflüge bestanden in demonstrieren oder Fahrten mit den Kameraden der VVN. Die Besuche von subversiven Theaterstücken in denen sich gegen die Erwachsenen zusammengeschlossen wurden waren obligatorisch und führten nicht unbedingt zu einem guten Verhältnis zur Nachbarschaft.
Als Herrhausen 1989 gesprengt wurde tranken die Eltern vorm Abendessen erstmal nen Krimsekt und 1990 konnte ich der Klassenlehrerin in der Grundschule trotzig erklären, dass die Geschichte zeigen wird ob der Kapitalismus wirklich gewonnen hätte und nicht sie (das selbe haben ihr meine Eltern dann nochmal erzählt als sie deshalb zum Elterngespräch geladen wurden).

Ca. 5-6 jahre später kam es aber zum Crash mit der elterlichen Welt. Auf dem Weg zu einer Demonstration viel mir meine Hasskappe (so was trug man Mitte der 90er noch) aus der Tasche und meinen Eltern in die Arme. Da in ihrer Logik nur staatlich bezahlte Provokateure so was aufhaben um die ehrenvollen Ziele der Arbeiterklasse vor der durch Konsum ruhig gestellten Bevölkerung zu verunglimpfen, gab es ein Geschrei das sich gewaschen hatte.
Wenn mein Vater nicht LKW-Fahrer gewesen wäre sondern nen Job gehabt hätte mit dem man Geld verdienen hätte können, wäre ich in diesem Moment sicherlich Enterbt worden. Ich habe im Anschluss dann ein paar Monate bei einem Freund auf einem der Freiburger Wagenplätze gewohnt – war gar nicht so schlecht da.

Hier eine kleine Auswahl von dem was sich im Familienalbum in der Rubrik „Wir waren dabei!“ finden lässt. Dorfdisco auch schon in jungen Jahren endgeilfett Berufsdemonstrant:


Bei irgendeiner Demo. Das viel zu große Plakat im Hintergrund wurde mir kurze Zeit später versucht um zuhängen. Motiv: Weinendes Kind vor atomaren Supergau in kitschigen Ölfarben. Untertitel: Ich will Leben – Gebt mir eine Zukunft (Mein Vater ist übrigens bis heute der Ansicht, dass die sowjetischen Kernkraftanlagen von der Forderung nach Atomausstieg ausgeklammert werden mussten, da diese zum Wohle des Volkes und nicht für den Profit gebaut wurden und deshalb sicher gewesen wären).


Hier bei der Verehrung von gerade zu übermenschlichen Helden (so zumindest ordnete ich das ein). Die Helden waren russische Zwangsarbeiter die von den Nazis umgebracht wurden.


Bei der Menschenkette gegen die Stationierung von Pershing2 Raketen.

nur mal so # 20

Nur mal so schau ich mir gerade mal wieder die Seite der lokalen Attacfiliale Jugendantifa an und freu mich für sie, dass es mal wieder nen Thema gibt zu dem sie in der Lage sind was zu schreiben: Voll krass Nazis im Dorf. Zu dem Schluss, dass die Faschos erst mal weg vom Fenster sind und man sich deshalb ein wenig relevanteren Themen widmen könnte sind sie leider nicht gekommen. Nachdem man sich durch den üblichen Antifamist gequält hat kommt dann bezogen auf die antifaschistische Bewegung in Göttingen noch das:

[…] dürfen nicht dazu verleiten, sich danach in Selbstzufriedenheit und Szene-Scharmützeln zu ergehen

Und während ich das so lese erinnere ich mich irgendwie an ein Cover was ich vor ein paar Wochen von nem Bekannten zugemailt bekommen habe:

„Ich schmeiss dich aus dem Fenster wie mein Geld“

So, nachdem die letzten Wochen ein wenig anstrengender waren habe ich endlich wieder Zeit für sinnvolle Dinge wie z.B. dem Kauf von Eiswürfelformen im Stil einer AK-47 Patrone. Leider sind die Versandkosten aus UK teurer als das Produkt. Die ein oder andere Person muss sich demnächst übrigens darauf gefasst machen zu gunsten meiner Selbstdarstellung zu mir nach Hause auf ein paar kühle Drinks eingeladen zu werden.

Die Überlegung der Vollständigkeit halber noch einen AK-47 Papierbastelbogen im Maßstab 1:1 zu bestellen wurde allerdings wieder verworfen. Das Rumgebastele in den vier Jahren Erzieherausbildung reicht für den Rest des Lebens.

Göttinger Linke – ihr scheiss Subkulturrassisten!

Boa, wie ich diese Göttinger Linke so langsam aber sicher gar nicht mehr ab kann! Da findet ne große Soliparty statt, die qualitativ ein wenig mehr als der Durchschnitt zu bieten hat. Dies hat zur Folge, dass sich mehr Leute als nur die üblichen Verdächtigen im linken Standardlook dafür interessieren und auf dieser Party also auch Gäste rumlaufen die man nicht eh schon mehrmals die Woche in dem unterirdischen Selbstausbeuter Kneipenkollektiv in der Geißmarlandstr. antrifft.
Die Party selber verläuft weitestgehend relaxt auch wenn es knalle voll ist.
Jetzt wird man aber alle Nase lang von Szenepolizisten der Göttinger Linken belabert die sich genau darüber beschweren und allen ernstes traurig darüber sind, dass man keinen Grund gefunden hat die Fremden rauszuwerfen. Angeheizt wird das ganze noch durch GöDru Artikel in denen behauptet wird man können dem Sexismus Einhalt gebieten in dem man sich abschottet, und Pläne, man müsse eine Art Kleidungskontrolle am Einlass durchführen (ja ja, das Böse von Außen, ihr und eure blöde Freiraumideologie!) und dann hätte man wieder die gute alte Zeit, die es nie gab.

Liebe Göttinger Linke:
Wenn ihr es allen ernstes nicht unter Leuten aushaltet die einen Minirock tragen, eine Goldkette umhaben oder ein weißes T-Shirt anziehen outet ihr euch nicht nur als orthodoxe, spaßbefreite Moralisten, ihr zeigt vor allem wie ernst euch das Projekt die Linke zu mehr als einem Kulturszenesumpf zu machen, ist. Wenn ihr schon Bauchschmerzen dabei habt mit Leuten die nicht so aussehen oder so tanzen wie ihr den Raum zu teilen will ich gar nicht erst wissen ob ihr überhaupt den Anspruch teilt, Leute außerhalb eures biederen subkultur Freundeskreises von der Überwindung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu überzeugen.

Die Amphifa macht ne übergeile Endgegner_Innen Soliparty

Nein, das lief ganz offensichtlich nicht so wie gewünscht. Erst werden se vom RCDS`ler Rene Stender verpetzt (doofes Timing, Stender verstarb einen Monat später), dann von den Bullen ein wenig verprügelt. Während der Abtransport vom Ort des Geschehens sich unglaublich in die Länge zog, meinte es irgendjemand der Anwohner dann noch besonders gut, und untermalte die Szenarien mit dem Abspielen von Ton Steine Scherben Liedern (keine Flucht möglich, eine ganze Hundertschaft sicherte). Schließlich sind se im Gewahrsam gelandet, und mit einem Umweg über Hannover am nächsten Tag wieder in Göttingen entlassen worden (Rückfahrt in einem extra von den Bullen leer geräumten Abteil eines überfüllten Nahverkehrzugs, und den Beschwerden anwesender Hools, dass sie keine so große Polizeieskorte bekämen).
Jetzt alles eingestellt, aber viele Anwaltskosten über. Deshalb endgeilfette Soliparty am Freitag.

2 Beulen und diverse Blutergüsse später

Also irgendwie scheint die Faszination für jahrelang verachteten Trash sich mit zunehmendem Alter zu steigern. Und so wurde im Rahmen eines 30. Geburtstages nicht so ausgelutschte Dinge wie „drei Tage wach“ gemacht, sondern die Paintball Battle Arena Hann. Münden (Das ist die Stadt, wo Frank Rennicke mal durch die Scheibe eines Waffenladens geflogen ist und danach mit Dartpfeilen um sich geworfen hat) besucht.
Der Trashfaktor war dann auch fast so hoch wie bei den Monstertrucks.

Ich bin übrigens der Zweite von rechts in der knieenden Reihe.

Jammern!

Boa, ist das alles scheiße: Während irgendwelche Pfeifen „das Patriarchat, Gewalt gegen Frauen und etc.“ mit dem Anzünden von Fahrzeugen der Stadtwerke bekämpfen wollen, bekommt es offensichtlich niemand im Dorf hin was zu der Ermordung von Alexandros Grigoropoulos verlauten zu lassen.
Die Dorfdisco ist auch in eine Art Winterstarre verfallen (nicht weiter tragisch) und mein tolles Tool zum Bau von Iglus ist auch immer noch nicht eingetroffen. Dafür ist die Zahl der Schlägereien und Unfälle vor meinem Fenster mit der Eröffnung des Göttinger Weihnachtsmarktes deutlich angestiegen und vor den Törchen der Stadt wurde ein Star gefeiert wie ihn Göttingen verdient hat (dürfe das Highlit des Jahres gewesen sein, inkl. Autogrammstunde).
Alles eigentlich egal solange man, wenn es die Arbeit zu lässt (Yeah, Freitag ist Weihnachtsfeier- ein Haufen Erzieher und Pädagogenspacken die als Polonaise durchs Haupthaus ziehen), ab und zu in seinem Zimmer sitzen kann und so toller Musik wie dieser zuhört, OI!

(und Morgen gehe ich erstmal Paintball spielen)