Mal was mit Fußball in der Dorfdisco

Ein Göttinger Fußballverein hat nen neuen Sponsor der sein Geld durch die Ausbeutung von Arbeitskraft verdient – so wie das bei fast allen Sponsoren des Vereins der Fall sein dürfte. Was den neuen Sponsor von den anderen unterscheidet ist, dass die Angestellten dort Sexarbeiterinnen sind und entsprechende Dienstleistungen anbieten. Und so prangt auf irgend so nem kleinen Schild am Rand von einem Göttinger Fußballfeld Werbung für ein Bordell vor den Toren Göttingens. Eigentlich ja nicht der Rede wert aber nun hat sich, pünktlich im Sommerloch, Humke-Focks (Landtagsabgeordneter von „die Linke“) und Wucherpfennig (stadtbekannter OI!-Skin, der sich nun ausgerechnet als „sportpolitischer Sprecher“ von „Göttinger Linke“ ausgibt) dem Thema angenommen und eine Presseerklärung verfasst:

„Die GöLINKE-Ratsfraktion fordert den RSV 05 auf, unverzüglich den Sponsorenvertrag mit einem Göttinger Bordell zu kündigen.
Damit seien nach Ansicht der LINKEN Grenzen des Sponsorings überschritten worden. Gerade der Verweis auf sogenannte Flatrateangebote verböte eine Werbung für ein Etablissement, das mit der sexuellen Ausbeutung von Frauen Geschäfte mache. Letztlich würden damit auch Forderungen nach Rechten für Prostituierte mit Füßen getreten. „

Das ist ja rührend wie die Beiden sich schützend vor die armen ausgebeuteten Frauen werfen, ganz dolle Partei für sie ergreifen und mit dem RSV 05 schimpfen.
Auf die Idee, dass es aber durchaus eine bewusste Entscheidung von Menschen gibt mit Sexarbeit ihrem Lohnerwerb nachzugehen kommen die beiden nicht. Stattdessen wird hier wieder mit Moralismus at it best, Leuten die Opferrolle zugeschrieben anstatt sie als soziale Akteurinnen in den Blick zu nehmen.
Gerade durch die Verweigerung Sexarbeit als kapitalistisch geprägte Dienstleitung mit allem was dazugehört anzuerkennen (eben auch Werbung zu betreiben) werden die Rechte von Sexarbeiterinnen nicht gefördert sondern bleiben prekär. So ist es erst 2002 überhaupt zu einer gesetzlichen Regelung für Prostitution mit dem Ziel diese mit anderen Arbeitsbereichen gleich zu stellen gekommen, Steuern mussten sie allerdings schon lange zuvor abdrücken. Wie stark aber das Aushalten von Arbeit mit einer gesellschaftlichen Anerkennung einher geht haben ja zuletzt die Erzieherinnen im KiTA-Streik deutlich gemacht und angeprangert. Und wo Sexarbeiterinnen und ihre Dienstleistungen gesellschaftlich stehen haben Humke- Focks und Wucherpfennig mit ihrer Pressemitteilung eindrucksvoll vermitteln, nämlich irgendwo als nicht selbstbestimmte arme Geschöpfe die pfui-Sachen machen für die man nicht werben darf. Eine Dienstleitung die sich übrigens durch den Verkauf eines intimen Eindrucks vermittelt ohne persönlich involviert zu sein, deshalb ist das Gelaber mit sexueller Ausbeutung auch so ein Quatsch.

Und anstatt, dass die Göttinger Linke, sonst immer bemüht darum der Vernichtung von Arbeitsplätzen Einhalt zu gebieten, auf die Idee kommt sich mit den Dienstleisterinnen des geschlossenen „Flatrate-Bordells“ in Fellbach zu solidarisieren, die nun keinen Arbeitsplatz mehr vorweisen können und von Abschiebung bedroht sind – hauen die Beiden nochmal drauf und meinen, „Flatrate-Bordelle“ als besonderen Verweis auf die Ausbeutung heranziehen zu müssen.

Jetzt könnte ich natürlich noch was schreiben warum es überhaupt doof ist seine Arbeitskraft verkaufen zu müssen. Mach ich aber nicht weil ich gleich meine Verkaufen muss und keine Zeit mehr dafür habe.

Wen es interessiert hier ein Artikel einer Autorin von „Sexworkers News“
Pussy Club Fellbach – Flatrate mit den Augen einer Sexarbeiterin


8 Antworten auf “Mal was mit Fußball in der Dorfdisco”


  1. 1 Name 04. August 2009 um 12:37 Uhr

    Wie immer fängt die Dorfdisco mit etwas richtigem an und schießt dann weit über das Ziel hinaus.

    Wie kann der Arbeitsplatz freiwillig sein, wenn es keine Wahl gibt? Teile der Angestellten in dem Flatrate Bordell hatten offensichtlich nur die Auswahl zwischen dort Arbeiten oder abgeschoben werden.
    Die Frauen sprechen davon sich aus Verzweiflung umzubringen wenn ihnen der Job genommen wird. Auch dies klingt nicht nach einer Freien Entscheidung.
    Die Zwänge resultieren eventuell nicht aus der Arbeit im Bordell sondern sind kapitalistischen Zwängen und Einwanderungspolitik zu suchen, dies macht die Wahl des Berufs dennoch nicht Freiwilliger. In dem Bericht bei Sexworker.at steht, dass die Frauen teilweise vollkommen verzweifelt sind, da sie in dem Bordell ihre einzige Chance sehen. Diese aus einer Zwangslage resultierende enge Bindung geschieht nicht freiwillig und wird von Bordellen systematisch ausgenutzt.

    Die Werbung für den Flatrate Bordell besagt, dass der Mann entscheidet mit wem alles er wie oft Sex haben will. Das klingt sehr wohl nach einer Verletzung des Selbstbestimmungsrechts der Frauen. Die Werbung besagt, dass die Frau nicht ablehnen darf. Vielleicht herrscht ein Widerspruch zwischen Werbung und Praxis, dieser kann von außen nicht geklärt werden.

    In vielen Zeitungsartikeln steht als Grund für die Schließung der Flatrate-Bordelle, dass hygienische Standards nicht eingehalten werden und es Schwarzarbeit gäbe. Eine schließung aus diesen Gründen kann auch jeder Pizzeria passieren

  2. 2 lampe 04. August 2009 um 14:12 Uhr

    sexarbeiterinnen? was ist denn aus den guten alten prostituierten geworden?

  3. 3 soft_brain 04. August 2009 um 20:18 Uhr

    @ Name:
    Also aus der verlinkten „Feldforschung“, geht hervor, dass die Arbeiterinnen dort sehr wohl Sexpraktiken und auch Männer ablehnen.
    Von welcher Werbung redest du eigentlich? Ich hab nichts dementsprechendes gefunden.
    Als ich mir das Forum von sexworker.at durchgelesen habe, entstand bei mir schon der Eindruck, dass sie (die Sexarbeiterinnen)
    1. natürlich Angst um ihren Job-Verlust haben, denn sie verlieren dadurch nicht nur ihr täglich geregeltes Einkommen, sondern ebenfalls ihre Freundinnen, mit denen sie zusammen wohnen und Beziehungen aufgebaut haben
    2. Angst um ihren Aufenthalt haben
    3. überhaupt nicht nachvollziehen können, dass gegen sie auf allen Ebenen gehetzt wird

    Und gerade nachdem es dort nun zu Hausdurchsuchungen kam und die fadenscheinigen Gründe der Schließung durchaus jeder Pizzaria hätte angehangen werden können, und nachdem sich heraus gestellt hat, dass niemand, bis auf einzelne, nicht vom Staat/Presse etc geschickten, Leute sich ein wirkliches Bild vom Zustand in diesem Bordell gemacht haben, muss doch klar sein, dass es bei der Schließung sicherlich nicht um nur einen einzigen Gedanken des Wohles der dort arbeitenden Frauen gehandelt hat!

    Gegen diese bürgerliche Mobilmachung muss man natürlich als emanzipatorische/r Linke/r etwas haben. Denn es geht keineswegs darum Kritik an dieser Gesellschaft, mit all ihren tagtäglichen Sexismen, zu entwickeln, die ihre eigene(!) Moral gut heißt.

  4. 4 dorfdisco 06. August 2009 um 7:43 Uhr

    @ Name: Das ist doch klar, dass Leute an ihren Scheissjobs hängen wenn sie durch diesen eine Aufenthaltsgenemigung besitzen. Das ist aber nicht nur auf den Bereich der Sexarbeit zu reduzieren. Zumal gerade hier in den meisten Fällen eine bewusste Entscheidung vorliegt als Prostituierte in westlichen Staaten zu arbeiten und zwar in Abgrenzung zu den weit verbreiteten und deutlich schlechter bezahlten Jobs im hauswirtschaftlichen Bereich.

    Versteh mich nicht falsch. Ich denke dass Sexarbeit im Bereich der Prostitution ein recht harter und durchaus gefährlicher Beruf ist. Aber höre doch bitte auf die Leute in diese blöde Opferrolle zu drängen, damit machst du denen wirklich keinen gefallen, weil der erste Schritt in Richtung Verbesserung der Arbeitsbedingungen läuft über die Anerkennung als ordentlicher Beruf mit Gewerkschaft, Kündigungsschutz, Tarifabschlüssen, Pausenräume etc. Alles andere ist Moralscheisse, denn bis sich die Menschheit durch Überwindung des Kapitalismus gänzlich von Arbeit befreit hat wird es wohl noch nen Moment dauern.

    @ lampe. Die Begriffshuperei ist mir eigentlich ja nicht so wichtig. Aber Sexarbeiterin trifft es ganz gut da ein Arbeitsverhältnis (in Abrgenzung z.B. zum Menschenhandel ,auch sog. Zwangsprostitution) ausgedrückt wird und auch sexuelle Dienstleistungen in anderen Bereiche, wie z.B. Telefonsex oder so Stripzeugs mit abgedeckt ist.

  5. 5 lampe 06. August 2009 um 16:04 Uhr

    und was ist mit huren & nutten? :-w

  6. 6 dorfdisco 06. August 2009 um 16:47 Uhr

    Siehe Antwort oben und ersetze „Prostituierte“ durch „Hure“ oder wahlweise „Nutte“. :)>-

  7. 7 cyberpunk 07. August 2009 um 16:28 Uhr

    Flaterate-Ficken find‘ ich gut!

    ABER: KAAAANN NICHT MAL EIIIINER AN DIE KIIIIINDER DENKEN?

  1. 1 Allah ist groß, Allah ist mächtig… « love münster – support göttingen Pingback am 05. August 2009 um 8:47 Uhr
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